Die elfjährige Chaya ist aus dem Irak geflohen und lebt mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder Nour seit drei Jahren an der französischen Atlantikküste. Als ihr Asylantrag erneut abgelehnt wird, sucht sich ihr Vater in Spanien Arbeit, während die beiden...
Die elfjährige Chaya ist aus dem Irak geflohen und lebt mit ihrem Vater und ihrem älteren Bruder Nour seit drei Jahren an der französischen Atlantikküste. Als ihr Asylantrag erneut abgelehnt wird, sucht sich ihr Vater in Spanien Arbeit, während die beiden Kinder in Frankreich auf ihn warten sollen. Von der traumatischen Flucht und der unsicheren Zukunft überwältigt, versinkt Nour in einen komatösen Tiefschlaf, ein Resignationssyndrom, das hauptsächlich bei Kindern von Asylsuchenden auftritt. Doch Chaya gibt ihren Bruder nicht auf: Sie sucht den Weg in Nours Traumwelt, um ihn zu befreien – und bringt sich damit selbst in Gefahr.
Das französische Regieduo Fanny Liatard und Jérémy Trouilh zeigte bereits in «Gagarine» einen besonderen Blick für das Poetische in den alltäglichen Dingen. In visuell entrückenden Aufnahmen verweben die beiden auch in «Les yeux verts» feinfühlig die politische Wirklichkeit mit dem Märchenhaften. Dabei wählen sie bewusst die Perspektive der jungen Protagonistin, die als betroffenes Kind mit Fluchterfahrung das emotionale Erleben direkt fassbar macht. Anamaria Vartolomei ist in der Rolle der Chaya herausragend. «Les yeux verts» feierte seine Weltpremiere auf der Piazza Grande in Locarno.